Bore Out - Endstation Langeweile?

Was die Krankheit Burn Out mit chronischer Überforderung und Stress zuviel hat, kehrt sich im Bore Out-Syndrom ins Gegenteil um, ist aber nicht minder gefährlich.

 

Wie es ist, sich jahrelang auf einer Arbeitsstelle zu langweilen, davon möchte ich dir heute berichten.

 

Über das Thema Bore Out wird meines Erachtens immer noch zu wenig geschrieben. Kaum jemand möchte vielleicht auch zugeben, dass er im Job chronisch unterfordert ist. Je mehr man schafft, je produktiver ist man und desto besser wird man in der Gesellschaft angesehen. Burn Out ist demnach eine Krankheit von Workaholics, während zuwenig arbeiten verpöhnt ist. Bore Out passt einfach nicht so Recht ins Land der Eifrigen und Fleißigen.Man möchte doch kein fauler Sack sein!

 

Dass zuwenig Arbeit genauso krank machen kann wie zuviel, wird dabei oft übersehen.

 

Ich arbeite seit 2010 auf einer Arbeitstelle, wo die Arbeit kontinuierlich weniger wurde. Von Jahr zu Jahr gab es immer weniger zu tun und weniger Mitarbeiter, sodass die eigentliche Arbeit täglich ab 12 Uhr erledigt ist und man dann nur noch versucht, die restliche Zeit totzuschlagen.

 

Wenn ich dann, meist genervt und müde vom Nichtstun (ja, das gibt es wirklich) nach Hause komme, beginnt für mich die eigentliche Arbeit: Das Pflegen meiner Online-Shops, Artikel schreiben für die Blogs etc.

Halt alles, was ich für meine zukünftige Selbstständigkeit alles tue.

 

Ab Januar 2018 findet ein Umzug statt. Das Dienstgebäude, in dem ich arbeite, zieht um, ganze 200 km weiter westlich.

Warum ich nicht mitgehen würde, wurde ich von manchen Arbeitskollegen gefragt. Ich hätte keine Kinder und demnach würde auch niemand auf mich zuhause warten.

Auf meine Antwort, ich möchte mich nicht mehr weiter langweilen, reagierten die Fragenden immer gleich und zwar mit der Aussage:

"So einen gutbezahlten Job werden wir nie wieder bekommen."

 

Zum einen muss ich sagen, dass ich für diese Art von Arbeit wirklich gut bezahlt werde, allerdings ist dieses Gehalt nicht utopisch hoch (es liegt weit unter 2000 netto) und die Aussage, man würde jobtechnisch im Leben wohl nicht mehr so viel Glück haben, es quasi also auch zu nichts mehr bringen, hat mich wütend und auch traurig zugleich gemacht.

 

Natürlich gibt es viele Menschen, die heutzutage trotz Mindestlohn, der immer noch zu niedrig ist, viel zu wenig verdienen, allerdings habe ich immer noch die Auffassung, jeder sollte das tun und auch arbeiten, was einen glücklich macht. Wenn nicht in der heutigen Zeit, wo doch alle nach Individualität schreien, wann dann?

 

Und in einem Job zu versauern und sich über die vergeudete Zeit ärgern, nur weil man am Ende vielleicht 100 Euro mehr auf dem Konto hat, ist nicht der Sinn des Lebens meiner Meinung nach.

 

Äußere Umstände gibt es immer, die einen Menschen in eine prekäre Lebenslage bringen, seien es Schulden, ein Kredit, größere Ausgaben, etc. Doch das wichtigste ist es, wenn man an sich arbeitet und versucht, einen Weg aus der misslichen Situation zu finden, anstatt aufzugeben.

 

So viele Menschen stecken fest und haben sich mit der Misere abgefunden (nein, ich erwähne jetzt nicht das Klischeerad eines kleinen Nagetiers). Sie denken, dass sie für nichts größeres bestimmt sind, weil sie zufrieden sein müssen, mit dem was sie haben.

 

Ja, das dürfen sie auch sein, allerdings sollte man sich nicht kleiner machen, als man ist und auch hin und wieder auch mal nach den Sternen greifen!

 

Vielleicht werde ich es irgendwann wegen des Geldes bereuen, nicht mit umgezogen zu sein, ganz sicher aber nicht wegen der Langeweile.

 

Übrigens habe nicht nur ich diesen Weg gewählt, auch andere Kollegen haben sich dazu entschlossen, nicht mitzukommen. Schade finde ich nur immer, dass man sich für so eine Entscheidung rechtfertigen muss. Warum kann sie nicht ganz einfach akzeptiert werden?

 

Falls auch du in einem ähnlichen Job feststeckst, der dich zu wenig fordert, in dem du aber sehr gut vedienst und aus dem du scheinbar nicht herauskommen kannst, kann ich dir sagen:

 

Alles ist möglich, du musst nur für dich die richtige Entscheidung treffen.

 

Möchtest du mehr Geld oder mehr Freizeit haben?

Für mich hat das Thema Zeit eindeutig gesiegt, denn die Stunden, die ich mit googeln auf dem Smartphone und To-Do-Listen schreiben mal 10 verbracht habe, bloß um Zeit auf der Arbeit tot zu schlagen, kommt nicht zurück.

 

Anfang Januar 2018 habe ich beschlossen, als Freiberufler weiter zu machen. Weniger Geld wird natürlich erstmal an der Tagesordnung stehen, aber auf jeden Fall auch mehr Zeit, um meine Gedanken und Träume in Taten zu verwirklichen.

 

Außerdem habe ich vor, vielleicht einen kleinen Online-Kurs zum Thema "Motivation, Glaubenssätze und Blockaden" zu erstellen. Klingt das interessant für dich?

 

Ich wünsche dir eine glorreiche Zeit! :-)

 

Deine Melanie

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Lars Guldenbach (Mittwoch, 06 Dezember 2017 15:42)

    Liebe Melanie,

    per Zufall bin ich auf Deine Seite gelangt. Du sprichst mir so aus der Seele! Ich bin über die Jahre in meiner Tätigkeit als Projektmanager in verschiedenen Banken an Bore-Out erkrankt. Anfangs war mir dies gar nicht bewusst, denn ich hatte nur mein Gehalt vor Augen und die damit verbundenen Möglichkeiten zu reisen und alles zu machen außerhalb meines Jobs. Im Laufe der Zeit mehrten sich jedoch meine physischen wir psychischen Schmerzen, die ich anfangs nicht zuordnen konnte. Irgendwann vertrocknete ich innerlich. Die sinnfreie Tätigkeit ohne Ergebnisse und Anerkennung führte mich in eine Depression. Nachdem ich meinen Job an den Nagel gehängt hatte, machte ich mich auf den Weg Nepal - und auf den Weg zurück zu mir selbst. Hierüber und meine Erlebnisse in den letzten Jahren habe ich ein Buch geschrieben, welches im August 2017 mit dem Titel "Endstation Bore-Out" auf den Markt kam und sogar von Books on Demand auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde. Das Thema schwelt noch unter der gesellschaftlichen Oberfläche, es ist nur eine Frage der Zeit, wann es endlich angenommen wird und wir nicht als Parasiten und Nestbeschmutzer gelten. Denn wir wollen arbeiten und Unternehmen vorantreiben, werden jedoch von Vorgesetzten ausgebremst und ignoriert. Ich habe inzwischen nach einer zweijährigen Auszeit meinen Weg gefunden, jedoch war es kein einfacher Weg, aber am Ende bin ich glücklich, diesen eingeschlagen zu haben. Ich würde mich sehr freuen, wenn das Thema und damit auch meine Lebensgeschichte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht würde.

    Herzliche Grüße
    Lars